Montag, 26. Juni 2017

Die Frau des Zoodirektors


Originaltitel: The Zookeeper's Wife
Land/Jahr: USA 2017
Dauer: 127 Minuten
Regie: Niki Caro
Cast: Jessica Chastain (Antonia Zabinski), Johan Heldenbergh (Jan Zabinski), Daniel Brühl (Lutz Heck), Michael McElhatton (Jerzyk)

Polen 1939. Dr. Jan Zabinski leitet mit dem Warschauer Zoo einen der renommiertesten Zoos der 30er Jahre. An seiner Seite kümmert sich vor allem seine Frau Antonia, die eine bemerkenswerte Sympathie und Bindung zu den Tieren besitzt, sowie sein Sohn Ryszard und Tierpfleger Jerzyk liebevoll um die zahlreichen Tiere. Während eines gesellschaftlichen Empfanges in der Villa der Zabinskis, die sich ebenfalls auf dem Zoogelände befindet, kommt es indessen zu einem Zwischenfall bei der Geburt eines Elefantenkalbes. Antonia gelingt es das Leben des Kalbes zu retten und zieht damit die Aufmerksamkeit des deutschen Zoologen Dr. Lutz Heck auf sich, der von der mutigen Frau des Zoodirektors sichtlich angetan ist. 

Das idyllische Leben Leben der Zabinskis kommt jedoch mit dem Einmarsch deutscher Truppen in Polen am 01. September 1939 zu einem abrupten Ende.  Bei der Bombardierung Warschaus wird auch der Zoo schwer beschädigt und zahlreiche Tiere getötet. Der Versuch der Zabinskis Warschau zu verlassen scheitert und auch die polnischen Truppen müssen sich rasch der deutschen Übermacht beugen. Kurz danach wird der Warschauer Zoo von deutschen Truppen besetzt. Dr. Heck teilt Antonia mit, dass der Zoo offiziell geschlossen wird und die noch verbliebenen Tiere für "Kriegszwecke" liquidiert werden sollen. Er schlägt ihr vor die wertvollsten Exemplare als Leihgabe vorübergehend im Berliner Zoo unterzubringen und nach Kriegsende wieder zu retournieren. Antonia willigt schließlich ein und muss schon bald erfahren, dass die Motive von Dr. Heck nicht so nobel sind wie er vorgibt.

Währenddessen verschärft sich die Situation in Warschau gerade für die jüdische Bevölkerung zunehmend, die immer wieder das Ziel von Übergriffen und Repressionen werden. Noch bevor die Juden in ein eigenes Ghetto gepfercht werden, suchen zwei jüdische Freunde der Zabinski Zuflucht im Zoo und Antonia und Jan werden vor eine schwierige Entscheidung gestellt...



Der Film basiert auf dem gleichnamigen Roman von Diane Ackerman, welcher wiederum auf den Tagebüchern von Antonina Zabinska beruht. "Die Frau des Zoodirektors" ist dabei ein solides inszeniertes Holocaust-Drama, welches weitgehend auf explizite Szenen verzichtet und es dabei dennoch schafft die Grauen und Schrecken der damaligen Zeit vor allem in zwei einfachen Szenen zu verpacken und dem Zuschauer einen kleinen Schauer über den Rücken zu jagen. Diese zwei Szenen kommen wie der gesamte Filme ohne große Überdramatisierung aus und sind unscheinbar in Szene gesetzt, verfehlen aber trotzdem ihre Wirkung nicht. Die eine zeigt ein junges, jüdisches Mädchen das Opfer einer Vergewaltigung wird und anschließend psychisch und physisch schwer darunter zu leiden hat. Die zweite Szene, die besonders unter die Haut geht, zeigt wie Dr. Zabinski versucht Dr. Korczak zu retten, der die Kinder aus dem Ghetto auf dem Weg in ein Vernichtungslager begleitet. Zabinski hilft dabei im Wissen wohin dieser Zug führt und ohne das er irgendwas dagegen unternehmen kann einem Kind nach dem anderen in den Zugwaggon. Zwei sehr schlichte Szenen die aber emotional ihre Wirkung beim Zuschauer nicht verfehlen und in Erinnerung bleiben.

Es gibt mittlerweile unzählige Dramen die den Holocaust thematisieren und storytechnisch erzählt uns auch "Die Frau des Zoodirektors" nicht wirklich neues oder belichtet neue Aspekte zu diesem Thema. Es fällt gleichzeitig aber auch schwer dies dem Film vorzuwerfen. Schließlich ist es keine fiktionale Geschichte, sondern beruht auf wahren Begebenheiten. Und diese und ähnliche Geschichten haben sich nun einmal zu tausenden in der damaligen Zeit zugetragen. Nun mag der ein oder andere angesichts eines weiteren Films zum Thema Holocaust dankend mit der Begründung abwinken, dass wenn man einen kennt mehr oder weniger alle kennt und man sich doch bitte endlich mal anderen Themen widmen sollte. Dennoch ist es wichtig das dieses Thema nicht einfach in Vergessenheit gerät und sich die Filmindustrie auch weiterhin um eine Aufarbeitung dieser Geschichten bemüht, denn die Botschaft dieser Filme ist heute wohl wichtiger denn je. Sie zeigen uns wohin blinder Hass und Vorurteile führen und die zentrale Botschaft des Mitgefühls sowohl Menschen als auch Tieren gegenüber die uns "Die Frau des Zoodirektors" vermittelt ist nicht weniger essentiell in einer erkaltenden Welt. 




"Du kannst nie sagen wer deine Feinde sind, oder wem du vertrauen kannst. Vielleicht liebe ich Tiere deshalb so sehr. Du blickst ihnen in die Augen und du weißt genau was in ihren Herzen ist."


Äußerst kraftvoll wird diese Botschaft vor allem durch die schauspielerischen Leistungen von Jessica Chastain und Johan Heldenbergh transportiert. Chastain spielt die Antonina Zabinska mit einer enormen Fülle an Empathie und Güte und die Art und Weise wie sie mit den Annäherungsversuchen von Lutz Heck umgeht, ohne ihn zurückzuweisen und damit alles zu gefährden ist beispielhaft. Johan Heldenberghs Charakter des Dr. Zabinski ist dabei wesentlich schwerer zugänglich, umso stärker wird sein Charakter allerdings von den Geschehnissen im Ghetto geprägt und Heldenbergh macht seine Sache sehr gut den Schmerz und die Verzweiflung überzeugend zum Ausdruck zu bringen. Daniel Brühl als Lutz Heck ist ebenfalls positiv hervorzuheben und gerade seine Szenen mit Jessica Chastain und seine Versuche Antonina nähere zu kommen und für sich zu gewinnen sind als Zuschauer unbequem anzusehen.

Einige Mängel hat der Film dennoch aufzuweisen. So sind gerade im letzten Drittel des Films einige Szenen zu sprunghaft miteinander verknüpft so das etwa nicht klar wird wie und warum etwa Jan sich plötzlich dem bewaffneten Widerstand anschließt. Andere wiederum werden etwas halbherzig zu Ende geführt, nicht ausführlich genug behandelt oder werden schlichtweg gar nicht thematisiert wie etwa wie sich die Zabinski die Verpflegung der versteckten Juden haben leisten können.  Auch hätte der ein oder anderen Szene etwas mehr Spannung und Dramatik ganz gut getan ohne den dramaturgischen Bogen gleich zu überspannen. So wirkt der Film stellenweise etwas zu konservativ und nüchtern. 




Trotz der ein oder anderen erzählerischen Schwäche ist "Die Frau des Zoodirektors" ein gelungener Beitrag zum Thema Holocaust mit einer ausgezeichneten Cast und hohem Produktionswert, der gleichermaßen ein Stück polnischer Geschichte und die Story von zwei couragierten Menschen einer breiten Öffentlichkeit zugänglich macht.


Bewertung:  7/10



Samstag, 17. Juni 2017

Die Mumie (2017)



Originaltitel:  The Mummy
Land/Jahr:  USA 2017

Dauer: 110 Minuten
Regie: Alex Kurtzman
Cast: Tom Cruise (Nick Morton), Russel Crowe (Henry Jekyll), Annabelle Wallis (Jenny Halsey), Sofia Boutella (Ahmanet), Jake Johnson (Chris Vail)



Ägypten vor langer Zeit. Ahmanet ist die Tochter des ägyptischen Pharaos Menehptre und als einziges Kind gleichzeitig auch dessen legitime Nachfolgerin auf den Thron. Sie ist dazu bestimmt eines Tages über das Reich ihres Vaters zu herrschen. Doch dies ändert sich als dem Pharao eines Tages ein Sohn geboren wird, der Ahmanets Anspruch auf den Thron gefährdet. Macht wird einem nicht gegeben, Macht muss man sich nehmen. Also entschließt sich Ahmanet dazu Set, den Gott des Todes, zu beschwören und schließt mit ihm einen finsteren Pakt. Sie ermordet zunächst ihren Vater und anschließend das Kind, doch um den Pakt zu vollenden muss sie ihren Liebhaber opfern, um Set physische Gestalt zu verleihen. Die Priester des Pharaos können dies jedoch verhindern und für ihre Sünden wird Ahmanet bei lebendigen Leib mumifiziert und der Sarkophag weit weg von Ägypten in einem tiefen Grab umgeben von Quecksilber verborgen.

Irak in der Gegenwart. Die beiden amerikanische Soldaten Nick Morton und Chris Vail sind im Besitz einer Karte, die den Weg zu einer verborgenen Grabstätte weist. Die beiden sind auf der Jagd nach kostbaren Artefakten, um diese anschließend gewinnbringend am Schwarzmarkt verkaufen zu können. Doch der Ort an dem sich die Grabstätte befinden soll ist von Aufständischen besetzt. Nach einem heftigen Feuergefecht mit den Aufständischen und einem angeforderten Luftschlag stoßen die beiden durch Zufall auf die verborgene Grabstätte. Noch bevor sich die beiden an die Plünderung des Grabes machen können, trifft die Archäologin Jenny Halsey und die Armee ein. Halsey untersucht das Grab und stellt dabei fest das es sich tatsächlich nicht um ein Grab sondern um ein Gefängnis handelt. Der Sarkophag wird geborgen und anschließend in ein Transportflugzeug geladen, um ihn für weiter Untersuchungen nach London zu bringen.

Noch bevor das Flugzeug startet zieht ein schwerer Sandsturm auf und auch während des Fluges passieren seltsame Dinge. Während Nick von merkwürdigen Träumen heimgesucht wird, kämpft Chris mit den Folgen eines Spinnenbisses, den er in der Grabstätte erlitten hat. Doch das Schlimmste steht ihnen erst bevor...



Eigentlich wollte Universal mit dem Reboot von "Die Mumie" den Grundstein für einen Neustart des Franchise legen und gleichzeitig auch das eigene "Dark Universe" pushen. Doch der Schuss ging gewaltig nach hinten los. Der Film wurde nicht nur von den Kritikern zerrissen, sondern floppte auch an den Kinokassen. Gerade mal 31,6 Millionen Dollar spielte er an seinem Startwochenende in den USA ein. Für einen derartigen Blockbuster noch dazu mit einem der letzten großen Filmstars wie Tom Cruise in der Hauptrolle definitiv zu wenig. 

Weder die schlechten Kritiken noch das enttäuschende Einspielergebnis verwundern, denn leider reiht sich "Die Mumie" in eine lange Reihe von seelenlosen und un inspirierten "Flopbustern" ein, die uns mittlerweile fast jährlich im Sommer wertvoller Zeit berauben. Waren die beiden Stephen Sommers Filme "Die Mumie" (1999) und "Die Mumie kehrt zurück" (2001) noch unterhaltsame und atmosphärische Abenteuerfilme mit teilweise miesen Special Effects aber dafür mit einer perfekt harmonierenden Cast, so lässt "Die Mumie" im Jahr 2017 nahezu alles vermissen, was einen guten und unterhaltsamen Film ausmacht. 

Das beginnt mit einem Drehbuch das absolut un inspiriert und richtungslos ist. Ein Drehbuch das ganz offensichtlich mehrmals komplett umgeschrieben wurde, um am Ende dann ein komplett generisches Machwerk auf die Leinwand zu bringen mit flachen Charakteren, noch flacheren Dialogen und einer langweiligen Story. Es wäre wohl besser gewesen das Drehbuch in einen Sarkophag zu stecken und im Wüstensand zu vergraben anstatt es auf die Zuschauer los zu lassen. Es fehlt beispielsweise absolut an der Chemie zwischen den einzelnen Charakteren. Vor allem wenn man diese mit jenen aus den Stephen Sommers Filmen vergleicht, in denen sich Evelyn und Rick die verbalen Bälle gegenseitig zu gespielt haben und perfekt harmonierten. Brendan Fraser und Rachel Weisz hatten da ganz offensichtlich selbst viel Spaß am Script. Das Pendant aus Tom Cruise und Annabelle Wallis  funktioniert dagegen überhaupt nicht. Es wirkt dabei fast so, als wollten die Darsteller den Film einfach nur so schnell wie möglich zu Ende zu bringen, um sich anschließend anderen Projekten zu widmen. Cruise und Jake Johnson harmonieren dabei eher noch, doch wirklich viel Spaß hat man auch mit den beiden nicht. 

Selbst der Charakter den Tom Cruise verkörpert, Nick Morton, ist etwas seltsam geraten und entspricht so gar nicht den Charakteren, die Cruise sonst so verkörpert und weckt beim Publikum auch keinerlei Sympathien wie es etwa Rick O'Connell getan hat. Außerdem spielt Cruise den Nick Morton etwas seltsam und man merkt an diesem Charakter zum Beispiel ganz deutlich die Richtungslosigkeit des Drehbuches. Eine seltsame Mischung aus einfältigen Dummkopf, waghalsigen Schatzsucher und Elitesoldat. Eine un charismatische Mischung aus Rick O'Connell, Nathan Drake und Ethan Hawke. Die Lovestory mit der Archäologin Jenny Halsey wirkt dabei wenig glaubwürdig und ist ähnlich lieblos inszeniert und geschrieben wie der Rest des Films.



Die algerische Schauspielerin und Tänzerin, Sofia Boutella, als Ahmanet hätte zwar durchaus das Talent für eine ernst zunehmende Antagonistin, doch auch sie scheitert an einem einfallslosen und dialogarmen Drehbuch und letztendlich auch an viel zu wenig Screentime. Dabei hat sie ihrer Rolle zumindest etwas Charisma verleihen können und war noch eine der interessantesten Charaktere.

Zu allem Überfluss hat man dann auch noch versucht eine Verbindung zum "Dark Universe" einzubauen, in dem man Russel Crowe als Dr. Henry Jekyll irgendwie in die Story einbaute. Und das irgendwie muss man dabei besonders betonen, denn diese Szenen wirken ein wenig deplatziert und wie ein krampfhafter Versuch gleich noch einen neuen Charakter einzuführen und zu promoten. 



Der Film weiß zudem nicht was er denn nun wirklich sein will. Als Horrorfilm, der klassische Monster wieder zurück auf die Leinwand bringen möchte, ist er jedenfalls viel zu harmlos. Als seriöser, düster Abenteuerfilm fehlt es ihm an Spannung und kommt zudem etwas unbeholfen rüber. Er ist schlichtweg belanglos. Die Special Effects hauen niemanden vom Hocker, die Actionszenen bieten ebenfalls wenig besonderes, die Charaktere sind weitgehend uninteressant, es fehlt an markigen Dialogen und Sprüchen und überhaupt an etwas das einem als Zuschauer länger in Erinnerung bleiben wird! 

Bewertung:  4/10













Wonder Woman





Originaltitel: Wonder Woman
Land/Jahr: USA 2017
Dauer: 141 Minuten

Regie: Patty Jenkins
Cast: Gal Gadot (Diana), Chris Pine (Steve Trevor), Connie Nielsen (Hippolyta), Robin Wright (Antiope), Danny Huston (Ludendorff), David Thewlis (Sir Patrick), Ewen Bremner (Charlie), Said Taghmaoui (Sameer), Elena Anaya (Dr. Maru), Eugene Brave Rock (The Chief)



Einst, als die Götter über die Erde herrschten, erschuf der König der Götter, Zeus, Wesen nach seinem Ebenbild über welche die Götter herrschen sollten. Er nannte seine Schöpfung "Mensch" und die Menschheit war gerecht, friedlich und stark. Doch Zeus Sohn, Ares, gepackt von Eifersucht und Neid auf seines Vaters Schöpfung, strebte danach die Menschheit zu vernichten. Er verdarb deren Herzen durch Missgunst und Argwohn und brachte sie gegeneinander auf. Auf der einst friedlichen Erde herrschte Krieg. Also erschufen die Götter die Amazonen um der Erde wieder Frieden und den Menschen Liebe zu bringen. Ares, der Gott des Krieges, tötete einen Gott nach dem anderen bis nur noch Zeus übrig blieb. Diesem gelang es mit einem letzten, mächtigen Schlag Ares zum Rückzug zu bewegen. Zeus wusste das Ares eines Tages zurückkehren würde um der Menschheit einen endlosen Krieg zu bringen und hinterließ den Amazonen eine mächtige Waffe, die selbst Götter zu töten vermag. Um die Amazonen vor den Augen Ares zu verbergen, erschuf der König der Götter eine kleine, isolierte Insel namens Themyskira. 

Als eines Tages überraschend ein Flugzeug vor der Küste von Themyskira abstürzt, rettet Diana, die Tochter der Amazonenkönigin Hippolyta, dem amerikanischen Piloten Steve Trevor das Leben. Dieser hat als Spion wichtige Informationen bei sich und befindet sich auf der Flucht vor der kaiserlich, deutschen Marine, die kurz darauf ebenfalls auf Themyskira eintrifft. Es kommt zur Schlacht zwischen den Amazonen und den kaiserlichen Truppen, die trotz vermeintlicher technischer Überlegenheit gegen die mit Pfeil und Bogen ausgestatteten aber extrem kampferprobten und geschickten Amazonen das Nachsehen haben. 

Captain Trevor wird von den Amazonen darauf hin gefangen genommen und verhört. Unter Zuhilfenahme des "Lasso der Wahrheit" gesteht Trevor, dass er als Spion für die Alliierten arbeitet und wichtige Informationen bei sich trägt, wonach die spanische Chemikerin Dr. Isabel Maru für die Deutschen ein tödliches Gas entwickle, dem selbst Atemschutzmasken nichts anhaben können. Außerdem berichtet er von einem tödlichen Krieg dem bereits mehrere Millionen Menschen zum Opfer gefallen sind und in dem zahlreiche Länder verstrickt seien. Diana erkennt darin das Werk von Ares und entschließt sich mit Trevor in den Kampf zu ziehen, doch ihre Mutter ist strikt dagegen.

Doch Dianas Entschluss steht fest und so begibt sie sich zusammen mit Trevor auf den Weg nach London in eine für sie völlig unbekannte Welt, die dabei ist komplett im Kriegschaos zu versinken. In London angekommen übergibt Captain Trevor Dr. Mabus Notizen dem Kriegsrat, der gerade dabei ist mit den Deutschen einen Waffenstillstand zu verhandeln. Diana entschlüsselt Mabus Tagesbuch und enthüllt das der deutsche General Ludendorff das Gas an der Westfront zum Einsatz bringen möchte um das Kriegsglück doch noch zu Gunsten des deutschen Kaiserreiches zu wenden. Die Mitglieder des Supreme War Council sind jedoch strikt gegen eine Einmischung so kurz vor Abschluss der Gespräche über einen möglichen Waffenstillstand und so begeben sich Diana und Captain Trevor entgegen der Bitte des alliierten Kriegsrates und mit geheimer finanzieller Unterstützung von Sir Patrick Morgan an die Westfront vom Dr. Maru und General Ludendorff aufzuhalten...




In Sachen Comicverfilmungen kann man mitunter schon einmal den Überblick verlieren. Es vergeht kein Jahr indem nicht gleich mehrere Verfilmungen in die Kinos kommen oder mittlerweile auch als Serie den Weg ins heimische "Patschenkino" finden. Die Superheldenfilme sind mittlerweile fixer Bestandteil des jährlichen Kinokalenders und haben sich in den letzten Jahren dank erfolgreicher Blockbuster wie den Avengers, Deadpool, X-Men oder auch Nolans "Dark Knight-Trilogie" zu einem riesigen Markt entwickelt. Gerade Christopher Nolan zeigte das Comics über ein enormes Potential verfügen und dabei kreative, anspruchsvolle Umsetzungen und wirtschaftlicher Erfolg kein Widerspruch sein müssen. Dominiert wird der Markt von Marvel mit seinem "Marvel Cinematic Universe" dem u.a. die Avengers und Guardians of the Galaxy angehören. Und während die Marvel Verfilmungen äußert erfolgreich laufen und das "MCU" sich fest etablieren konnte, tut sich DC mit seinem "DC Extented Universe" sichtlich schwer. 

Nun kommt mit "Wonder Woman" der nächste Versuch Marvel die Vormachtstellung streitig zu machen und dies ausgerechnet mit einer weiblichen Protagonistin. Und das noch dazu unter denkbar ungünstigen Voraussetzungen. Denn die letzten Verfilmungen von weiblichen Superhelden wie Elektra 2005 mit Jennifer Garner oder Catwoman 2004 mit Haley Berry sind nicht nur gnadenlos an den Kinokassen gescheitert sondern haben auch noch zahlreiche Klischees bestätigt, wonach Superheldinnen eben keine wirklich ernst zu nehmenden Charaktere sind und lediglich als attraktiver Blickfang in kurzen Kostümen gut sind. Ein neuerlicher Flop schien also auch mit "Wonder Woman" sehr wahrscheinlich vor allem weil sich in den letzten Jahren auch ein gewisser Sättiungseffekt in Sachen Comicverfilmungen eingestellt hat. Mein Interesse an "Wonder Woman" hielt sich bis dahin also in Grenzen. Doch dann kam der erste Trailer und sowohl visuell als auch das Setting des ersten Weltkrieges haben mich dann doch dazu bewogen mir den Film im Kino anzusehen.

Und man bereut den Kinobesuch keineswegs, denn "Wonder Woman" ist vor allem visuell eine der mit Abstand besten Comicverfilmungen der letzten Jahre und in Sachen Inszenierung nicht weniger beeindruckend. Ein Film den man sich unbedingt im Kino auf der großen Leinwand ansehen sollte. Der erste Akt auf Themyskira ist dabei sehr farbenfroh und naturverbunden, die Farbgebung wechselt mit der Ankunft von Diana und Steve in London in deutlich nüchterne, kühlere und dreckigere Farben und schafft damit einen atmosphärischen Rahmen für die Handlungen an der Westfront des ersten Weltkrieges. Themyskira ist ziemlich beeindruckend und man würde dort am liebsten Urlaub machen, was nicht nur an den dort lebenden Amazonen liegt, sondern vor allem an der wunderschönen Architektur und den tollen Stränden. Ein wahres Paradies.



Wären da nicht die Eindringlinge des deutschen Kaiserreiches, die den traumhaften Strand auf Themyskira in ein Schlachtfeld verwandeln und ein Actionfeuerwerk entfachen. Und Action gibt’s naturgemäß in einem Superheldenfilm reichlich und ist in "Wonder Woman" auch ziemlich sehenswert ins Szene gesetzt. Wenn etwa die Amazonen mit Pfeil und Bogen ihre technische Unterlegenheit gegenüber den kaiserlichen Truppen mit ihren modernen, industriellen Waffen durch ihre übermenschliche Kampfkunst und Athletik kompensieren oder Diana aus einem Schützengraben stürmt um sich in Zeitlupe allein mit ihrem Schild dem Kugelhagel des Feindes entgegenstellt. 

Und von diesen "Actionzeitlupen" gibt’s im Film einige zu sehen und erinnern dabei stark an Zack Snyders "300". Wenig überraschend, denn schließlich hat Snyder auch am Drehbuch von "Wonder Woman" mitgewirkt. Die Actionsequenzen sind dabei bis ins kleinste Detail durch choreographiert und verteilen sich gut über die gesamte Laufzeit des Film sodass keine Langeweile aufkommt. Die Action wirkt dabei gut ausbalanciert und selbst wenn eine Szene mal Gefahr läuft ein wenig "over the top" zu geraten bekommt Regisseurin Patty Jenkins dann doch noch die Kurve. Wobei übertriebene Actionszenen in einem Superheldenfilm natürlich immer bis zu einem gewissen Maße vorhanden sind und in der Natur der Sache begründet sind. "Wonder Woman" hat hier aber ein ganz gutes Gleichgewicht gefunden, lediglich die Special Effects wirken bei einigen wenigen dieser Actionszenen ein wenig unrund. Davon abgesehen spielen die Special Effects aber absolut im Konzert der Großen mit und gerade Themyskira ist wie bereits erwähnt eine absolute Augenweide. 




Eine der besten Szenen des Filmes gibt es bereits zu Beginn und die wurde sowohl aus erzählerischer Sicht als auch aus technischer Sicher unglaublich gut umgesetzt. Die junge Diana bekommt von ihrer Mutter, Hippolyta, eine Nachtgeschichte vorgelesen und erzählt ihr dabei die Geschichte vom Anbeginn der Zeit als Zeus die Menschen schuf und die Götter über die Erde herrschten. Visuell dargestellt wird die Geschichte durch das Buch, welches Hippolyta in den Händen hält und die dortigen Bilder plötzlich lebendig werden und die Geschichte von Hippolyta entsprechend illustrieren. Eine tolle und atmosphärische Szene, die den Rahmen für die Handlung setzt und auch mehr über die Hintergründe erzählt. 

Storytechnisch köchelt "Wonder Woman" das gleiche Süppchen wie andere Origin-Storys und bietet hier bis auf ein etwas anderes Setting nicht viel Neues. Der erste Weltkrieg ist aber ein durchaus interessantes Setting und ist film technisch bei weitem nicht so ausgelutscht wie sein Nachfolger und Nazis als Bösewichte. Wobei Nazis als Bösewichte irgendwie immer gehen und auch bei "Wonder Woman" wieder einmal die Deutschen - diesmal das Kaiserreich - als Antagonisten herhalten müssen. Die Verknüpfung von griechischer Mythologie in einem Superheldenfilm der Anfang des 20. Jahrhunderts spielt ist dabei sehr reizvoll und durchaus gelungen. 



Gal Gadot ist als Diana bzw. Wonder Woman ein absoluter Glücksgriff und als ehemalige israelische Soldatin und Nahkampf-Ausbildnerin geradezu prädestiniert für die Rolle. Leider ist der Charakter der Diana aber etwas zu naiv geraten. Das mag zu Beginn des Filmes durchaus noch passend erscheinen, schließlich ist sie auf einer völlig abgeschotteten Insel allein unter Frauen aufgewachsen und hat von der Kultur und den Geschehnissen der Außenwelt absolut keine Ahnung. Das wird aber gerade gegen Ende des Film ein wenig störend, vor allem nachdem Diana erfahren hat welche Grausamkeiten in dieser Welt herrschen und dennoch an die absolute Gutartigkeit der Menschen glaubt. Hier hätte etwas mehr Charakterentwicklung gut getan. Etwa eine Diana die beginnt an der reinen Gutartigkeit der Menschen und ihrer Mission zu zweifeln, aber vielleicht bekommen wir diesbezüglich mehr in potentiellen Fortsetzungen zu sehen. Zudem hätte ich gerne mehr von Dr. Maru gesehen, die mit ihrer mysteriösen Maske eine äußerst interessante Figur ist, aber leider viel zu wenig Screentime hat.

Trotz der ein oder anderen kleinen Schwäche ist "Wonder Woman" ein visuell beeindruckender Blockbuster der neben Action auch viel Herz beweist und das weibliche Superhelden mehr zu bieten haben als nur ein sexy Outfit. Er ist damit nicht nur für das DC Universe ein absoluter Gewinn, sondern auch für die gesamten Comicverfilmungen!

Bewertung: 8/10

Sonntag, 11. Juni 2017

Allende en su laberinto


Originaltitel: Allende en su laberinto
Land/Jahr: Chile 2014
Dauer: 90 Minuten
Regie: Miguel Littin
Cast: Daniel Munoz (Salvador Allende), Aline Küppenheim (Payita), 


In den Morgenstunden des 13. September 1973 wird der chilenische Präsident, Salavdor Allende, von seinen engsten Mitarbeitern mit einer besorgniserregenden Nachricht geweckt: Die chilenische Marine revoltiert und fordert den umgehenden Rücktritt des Präsidenten! Während die Marine  bereits auf dem Weg von ihrem Stützpunkt in Valparaiso nach Santiago de Chile ist, begibt sich Allende zum Präsidentschaftspalast La Moneda. Dort versichert er sich der Loyalität der Polizei, doch scheitern sämtliche Kontaktversuche zu den Befehlshabern von Armee und Luftwaffe. Die Krise verschärft sich als erste Informationen durchsickern das sich drei der vier chilenischen Teilstreitkräfte - Marine, Armee und Luftwaffe - zu einer Militärjunta unter der Führung des Oberbefehlshabers des Heeres, Augusto Pinochet, zusammengeschlossen haben und mit einer Bombardierung von La Moneda drohen sofern Allende nicht mit sofortiger Wirkung zurücktritt. Doch für Allende, der auf die Unterstützung aus dem Volk baut, kommt dies nicht in Frage...




Der Film basiert auf wahren Ereignissen und schildert die letzten sieben Stunden die der ehemalige chilenische Präsident, Salvador Allende, und seine engsten Vertrauten während des Putsches chilenischer Militärs im Präsidentschaftspalast La Moneda durchlebten. Es war der Tag an dem die Demokratie in Chile endete und gleichzeitig der Beginn der Diktatur von Augusto Pinochet, der erst kurze Zeit vorher den Oberbefehl über das Heer von Allende übertragen bekommen hat. 

Leider stößt "Allende" als Film an sich zu schnell an seine inszenatorischen und dramaturgischen Grenzen und dürfte gerade deshalb für eine breite Masse trotz einer Laufzeit von gerade einmal 90 Minuten zu langatmig und langweilig sein. Wer sich jedoch für politische und geschichtliche Filme begeistert der ist bei Miguel Littins Film goldrichtig. Obwohl der Film hauptsächlich die letzten Stunden während des Putsches thematisiert, werden immer wieder historische Details und Fakten gekonnt und dezent in die Geschichte eingebaut und so der Rahmen für das eigentliche Geschehen gesetzt und Hintergründe näher erläutert ohne das es hierfür eigener Szenen bedarf. Man erfährt so etwa das die Amerikaner beim Putsch maßgeblich im Hintergrund mitgewirkt haben, ohne das dies aber etwa in Antiamerikanismus ausartet. Der Film macht dies sehr dezent, ohne Holzhammer und wirkt dabei fast schon dokumentarisch.

Die Kampfszenen bei der Erstürmung des Präsidentschaftspalast beschränken sich auf wenige Szenen, der Film setzt mehr auf Dialoge als auf großartige Actionszenen. Die Dialogszenen sind dafür recht gut gelungen und nehmen dabei fast schon philosophische Züge an.

Getragen wird "Allende" vor allem von der schauspielerischen Leistung von Daniel Munoz, der in seiner Rolle sehr überzeugend ist. Die Nebendarsteller hingegen bleiben hier mit Ausnahme von Aline Küppenheim eher blass. 

Auch das 70er Jahre Setting hat man in Sachen Makeup, Requisiten, Kostüme und Optik gut vermittelt. Der Film spielt dabei hauptsächlich im Präsidentschaftspalast "Palacio de La Moneda" und im Originalschauplatz wurde tatsächlich auch gedreht. Leider können weder die Special Effects noch die Filmmusik da mithalten. Gerade die Special Effects - obwohl nur wenige davon im Film sind - fallen äußerst negativ ins Auge und erinnern mehr an diverse schlechte C-Movies aus dem Tele5 Abendprogramm. Auch der Schnitt war stellenweise etwas wirr und unglücklich gewählt. 



Salvador Allende war mir von Namen her ein Begriff und auch über Augusto Pinochet und seine Diktatur wusste ich ein wenig, da ich Ende der 90er Jahre seine Inhaftierung in Großbritannien über die Medien mitbekommen habe und ich mich in dieser Zeit begann intensiv mit Politik und Geschichte auseinanderzusetzen. Aber so wirklich bekannt und weit verbreitet ist lateinamerikanische Geschichte in Mitteleuropa nicht wirklich. Und obwohl der Film natürlich einige Schwächen aufweist, so hat er es dennoch geschafft mein Interesse an dem Thema zu wecken. Dies führte letztendlich dazu das ich mich nähere damit beschäftigte und einige Stunden recherchierte. Ein Film, der es schafft das man sich anschließend näher mit dem Thema auseinandersetzt, ist für mich daher immer ein Gewinn. Vor allem weil man dadurch immer wieder auf neue und andere interessante Aspekte stößt. Im Zuge der Recherchen zu Augusto Pinochet bin ich so etwa auf die Geschichte der sogenannten "Desparecidos" gestoßen. Menschen, die von staatlichen Sicherheitskräften entführt, gefoltert und oftmals ermordet wurden. Dies war vor allem in den rechten Militärdiktaturen in lateinamerikanischen Ländern zwischen 1960 und 1990 eine gängige Praxis. So etwa auch unter dem Pinochet-Regime in Chile. Empfehlenswert ist hier auch der "Colonia Dignidad" von Florian Gallenberger mit Emma Watson und Daniel Brühl. Eine unvorstellbare Grausamkeit, da vor allem die Angehörigen der Opfer (Oppositionelle, Kritiker, Journalisten etc.) über das Verschwinden nichts erfuhren und so immer in einem "Schwebezustand" lebten was mit ihren Angehörigen nun passierte. Das sich dann ausgerechnet die USA und der Heilige Stuhl für eine Freilassung von Pinochet stark machten, lässt einen dann mitunter fassungslos zurück...

Doch genug der Politik, allein die Tatsache das der Film mich dazu bewegte mich für das Thema zu interessieren und nachzulesen, hat mit einmal mehr gezeigt das gerade das Medium Film auf unterschiedlichen Ebenen für mich funktioniert.

Wer sich also für Geschichte und Politik interessiert und dem Salvador Allende oder Augusto Pinochet vielleicht noch nicht so bekannt sind, dem kann ich "Allende en su laberinto" durchaus empfehlen. Den Film gibt's aktuell auf Netflix in der Kategorie "International" zu sehen. Allerdings nur auf Spanisch mit deutschen oder englischen Untertitel. Davon sollte man sich jedoch nicht abschrecken lassen!

Bewertung: 6/10 



Samstag, 10. Juni 2017

Hacksaw Ridge Gewinnspiel





Auch im Juni gibt’s wieder ein kleines Gewinnspiel. Anlässlich des Release von Mel Gibsons neuesten Regiewerk, Hacksaw Ridge, auf Blu-Ray und DVD (seit gestern erhältlich) gibt’s wieder die Blu-Ray zu gewinnen. Wer den Film noch nicht gesehen hat oder nicht kennt, der sei auf meine Review weiter unten verwiesen.

Was Ihr dafür machen müsst? Schickt einfach eine E-Mail mit dem Betreff "Hacksaw Ridge" zusammen mit eurem Namen und Adresse an: 


couchkino.gewinnspiel@gmail.com

Teilnehmen könnt ihr bis zum 30.06.2017. Bitte beachtet das es sich hierbei um ein völlig unabhängiges Gewinnspiel handelt. Es findet kein Sponsoring statt und der Gewinn wird von mir selbst finanziert.

Der Gewinner bzw. die Gewinnerin werden am 01.07.2017 auf dem Blog veröffentlicht. Eure Daten werden selbstverständlich vertraulich behandelt, nicht an Dritte weitergegeben und nach Beendigung des Gewinnspieles natürlich wieder gelöscht. Keine Barablöse! 

P.S.: Urlaubsbedingt gab's in den vergangenen zwei Wochen leider nicht viel Neues auf der Couch, die mal gründlich von Popcornresten gesäubert werden musste, in den kommenden Tagen könnt ihr euch aber auf neuen "Content" freuen...

Donnerstag, 1. Juni 2017

Guardians of the Galaxy Gewinnspiel - Herzliche Gratulation!

Erstmals vielen Dank für die zahlreichen Einsendungen beim Guardians of the Galaxy Gewinnspiel! Der Gewinner bzw. die Gewinnerin steht fest. Gewinnerin der Blu Rax zu Guardians of the Galaxy Vol. 1 ist Janine Mahringer aus Linz. Herzlich Gratulation! Der Gewinn wird dir in den kommenden Tagen zugestellt.

Montag, 22. Mai 2017

Wenn du stirbst, zieht dein ganzes Leben an dir vorbei, sagen sie



Originaltitel: Before I Fall
Land/Jahr: USA 2016
Dauer: 98 Minuten
Regie: Ry Russo-Young
Cast: Zoey Deutch (Samantha), Halston Sage (Lindsay), Logan Miller (Kent), Kian Lawley (Rob), Elena Kampouris (Juliet), Cynthy Wu (Ally), Medalion Rahimi (Elody), Liv Hewson (Anna)


Für Samantha und ihre Freundinnen Lindsay, Ally und Elody könnte die Highschool nicht besser laufen. Die vier sind beste Freundinnen, hübsch, beliebt und begehrt bei den Jungs. Alles scheint perfekt zu sein. Das Selbstbewusstsein der verschworenen Clique bekommen gerade Außenseiter wie die unauffällige Juliet immer wieder zu spüren, die sich in der Schulcafeteria beleidigende Sprüche der vier Mädchen anhören muss. Es ist Valentinstag und während Mädchen wie Juliet bei der Rosenverteilung für gewöhnlich leer ausgehen, erhält Samantha neben einer Rose von ihrem Freund Rob, eine zweite von ihrem Schulkameraden Kent, der sie zu seiner Party am Abend einlädt. 

Auf der Party kommt es schließlich zu einer offenen Konfrontation der vier Mädchen mit Juliet, die Lindsay als Schlampe bezeichnet und die Lage damit zum eskalieren bringt. Nach dem Vorfall mit Juliet ist der Abend für Samantha gelaufen als sie Rob betrunken vorfindet, mit dem sie an diesem Abend eigentlich das erste Mal erleben wollte. Doch das Schicksal ist launisch und grausam und hat für Samantha noch eine böse Überraschung parat. Auf dem Heimweg von der Party rammt der Wagen der vier Mädchen plötzlich etwas Unbekanntes, überschlägt sich und kommt von der Straße ab.Die Mädchen kommen dabei ums Leben...

Als Samantha erneut am Morgen des Valentinstags erwacht, hält sie den Autounfall zunächst für einen bösen Albtraum. Doch dieser scheint Realität zu werden, denn sie durchlebt diesen bis ins kleinste Detail wieder und wieder... 



Es ist Murmeltiertag! Schon wieder... Before I Fall ist eine Mischung aus "Und täglich grüßt das Murmeltier" und dem letzten Netflix Serienhit "13 Reasons Why" und basiert auf dem gleichnamigen Young Adult Roman von Lauren Oliver und richtet sich vorwiegend an eine junge, vornehmlich weibliche Zielgruppe. Young Adult bzw. Jugendliteratur im Allgemeinen wird ja immer wieder gerne belächelt und teilweise geringschätzig behandelt. Das gilt für die Romane wie auch für die entsprechenden Romanverfilmungen.
Und natürlich wird auch viel Schund produziert, mit dem xten "love triangle" und der existenziellen Frage welchem heißen Jungen der vornehmend weibliche Hauptcharakter nun sein Herz schenken soll. Das ist nicht von der Hand zu weisen, aber es gibt darüber hinaus auch die andere Seite. Nämlich viele interessante und vor allem mutige Geschichten, die auch außerhalb der üblichen Zielgruppe der 12-18jährigen ausgesprochen gut funktionieren und Stoff für ansprechende Filme oder Serien liefern. Netflix hat zuletzt mit der Serienadaption von Jay Ashers "Thirteen Reasons Why" einen viel beachteten Hit gelandet, 2014 war es die  Verfilmung von John Greens "Fault In Our Stars" mit Shailene Woodley und Ansel Elgort in den Hauptrollen die auch ein breites Publikum begeisterten und zu Tränen rührten. Young Adult kann also durchaus was, auch abseits der üblichen Klischees.

Before I Fall reicht zwar nicht an die oben genannten "Musterschüler" heran, zählt aber insgesamt zu den besseren Jugendbuchverfilmungen. Auch wenn Themen wie Zeitschleife, Mobbing oder Identitätssuche nun keine revolutionäre Neuentdeckung darstellen, werden diese und vor allem das Thema Trauerbewältigung gekonnt miteinander verknüpft. So durchlebt Samantha in der Zeitschleife alle fünf Phasen der Trauer, was erst gegen Ende des Film klar wird. Before I Fall erfindet das Rad nicht neu, dafür ist die Geschichte bis auf den Twist am Ende zu vorhersehbar, vermeidet es aber auch allzu große Fehler zu machen und überzeugt gerade durch eine sehr geschmeidige und visuell gelungene Inszenierung.



Leider bleiben die Charaktere insgesamt viel zu blass und lassen beim Zuschauer nicht so recht Empathie aufkommen, wodurch man als Zuschauer emotional auch nicht so richtig abgeholt wird. Lediglich ein paar wenige Szenen von Samantha mit ihrer Familie, insbesondere mit ihrer kleinen Schwester, Izzy, bringen ein wenig Emotionalität in den Film. Ansonsten bleiben die Charaktere viel zu kühl, da man viel zu wenig über sie erfährt und die kleinen durchaus interessanten Häppchen die man über sie erfährt sind entweder oberflächlich gehalten oder werden direkt wieder fallen gelassen. Dafür, dass sich Regisseur Ry Russo-Young gerade zu Beginn des Films recht viel Zeit lässt, um die Charaktere zu etablieren, kommt insgesamt viel zu wenig dabei beim Zuschauer an. Das fehlt Before I Fall letztendlich um dann doch "mehr" zu sein als bloß ein gut inszenierter Film den es aber etwas an emotionaler Tiefe fehlt.


Bewertung:  6/10

Before I Fall startet am 01. Juni in den österreichischen und deutschen Kinos. 

Wenn du stirbst, zieht dein ganzes Leben an dir vorbei, sagen sie (Buch)

Wenn du stirbst, zieht dein ganzes Leben an dir vorbei, sagen sie (Blu-Ray)

Wenn du stirbst, zieht dein ganzes Leben an dir vorbei, sagen sie (DVD)


Donnerstag, 18. Mai 2017

Hacksaw Ridge


Origintaltitel: Hacksaw Ridge
Land/Jahr: USA 2016

Dauer: 139 Minuten
Regie: Mel Gibson
Cast: Andrew Garfield (Desmond Doss), Teresa Palmer (Dorothy Schutte), Hugo Weaving (Tom Doss), Rachel Griffiths (Bertha Doss), Sam Worthington (Cpt. Glover), Vince Vaughn (Sgt. Howell)

Eine zunächst harmlos aussehende Rauferei unter Brüdern endet für Desmond T. Doss beinahe in einer Katastrophe als er, gepackt von Raserei, einen Ziegelstein ergreift und vor den Augen seiner Eltern auf seinen jüngeren Bruder, Hal, einschlägt. Dieser geht bewusst und blutend zu Boden und wir von seinen entsetzten Eltern ins Haus gebracht und erst versorgt. Ein einschneidendes Erlebnis für den sichtbar geschockten Desmond, dessen leerer Blick auf ein Bild fällt, welches die zehn Gebote abbildet. "Du sollst nicht töten". Wie erstarrt blickt Desmond auf das sechste Gebot während sein Vater wütend und mit einem Hosengürtel in der Hand drohend, versucht die Schockstarre seines ältesten Sohnes zu durchbrechen. Dies gelingt letztendlich seiner Mutter, die mit sanfter Stimme Desmond mitteilt, das Hal wieder in Ordnung komme. 

Immer wieder werden Desmond und Hal Zeugen von lautstarken Auseinandersetzungen zwischen seinen Eltern. Sein Vater, Tom, ein Veteran aus dem ersten Weltkrieg, der traumatisiert von den dort erlebten Grausamkeiten immer wieder auch zur Flasche greift, ist der Auffassung das seine Söhne zu verweichlicht sind und die Welt nun einmal kein freundlicher Ort sei. 

Fünfzehn Jahre später bringt Desmond einen schwer verletzten Mann in das örtliche Hospital und lernt dort die Krankenschwester, Dorothy Schutte, kennen. Er verliebt sich auf Anhieb in die attraktive und charmante Dorothy, die beiden verbringen immer mehr Zeit miteinander und werden schließlich ein Paar. Desmond beginnt sich währenddessen zunehmend für Medizin zu interessieren und plant künftig im medizinischen Bereich zu arbeiten.

Doch dann bricht der zweite Weltkrieg aus. Immer mehr Männer melden sich zum Militärdienst und auch Desmond möchte seinen Beitrag leisten und nicht als einziger Mann aus seiner Stadt zurückbleiben. Bestürzt über die Tatsache, dass sein Sohn sich zum Militärdienst gemeldet hat, äußert Tom Zweifel darüber ob er dem Soldatenleben gewachsen sei und dass seine religiös geprägten Ideale nicht damit vereinbar seien. Desmonds Entschluss steht jedoch fest. Er möchte dienen. Er möchte seinen Beitrag leisten. Auf seine Art und Weise. Als Sanitäter.

In Fort Jackson, wo Doss unter Sergeant Howell seine Grundausbildung absolviert, wird er aufgrund seiner religiösen Wertvorstellungen rasch zum Außenseiter. Er verweigert den Dienst an der Waffe und zieht damit nicht nur den Zorn und das Unverständnis seiner Vorgesetzten auf sich, sondern auch seiner Kameraden. Der Versuch ihn aufgrund psychischer Gründe aus der Army zu entlassen scheitert und Desmond bekommt fortan die Härte physisch wie psychisch zu spüren. Er wird schließlich verhaftet und angeklagt. Doch Desmond weigert sich aufzugeben und plädiert auf "Nicht schuldig". Da seine Rechte aufgrund eines Bundesgesetzes geschützt sind, wird die Anklage schließlich fallen gelassen.

"Soldat Doss, Ihnen wird das Recht zugesprochen in den Kampf zu ziehen ohne eine Waffe bei sich zu tragen."




Man kann von Mel Gibson als Privatperson halten was man will, aber der Mann versteht sein Handwerk als Filmemacher und liefert durchwegs interessante und handwerklich überzeugende Filme ab. Nach Der Mann ohne Gesicht (1993), Braveheart (1995), Die Passion Christi (2004) und Apocalypto (2006) ist Hacksaw Ridge Gibsons fünfte Regiearbeit und bedeutet gleichzeitig auch sein großes Comeback in Hollywood, das prompt mit Nominierungen als bester Film und für die beste Regie bei den Academy Awards belohnt wurde. Gerade einmal 40 Millionen Dollar betrug das Budget und wurde aus unabhängigen Quellen finanziert. Wohl eine der Konsequenzen aus Gibsons Eskapaden. Gedreht wurde aus Kostengründen deshalb ausschließlich in dessen Heimat Australien.

Für mich zählt Hacksaw Ridge zu den besten Filmen des Jahres und hat seinen Platz in meiner Top 10 des Jahres bereits sicher. Das liegt zum einen daran, dass er handwerklich trotz des vergleichsweise niedrigen Budgets wie ein Big Budget Film wirkt und nicht umsonst bei den Oscars in den technische Kategorien zwei Awards (Best Film Editing & Best Sound Mixing) abräumte. Die Schlacht auf Okinawa braucht in Sachen Intensität und Inszenierung den Vergleich zu einem Soldat James Ryan keinesfalls zu scheuen und wirft den Zuschauer dabei mitten hinein in den Höllenschlund des Schlachtfeldes.




Und zum anderen natürlich an der faszinierenden Geschichte des Desmond T. Doss, die so unglaublich sie auch klingen mag, auf wahren Begebenheiten basiert und im Film gerade in den Schlachtszenen manchmal etwas unglaubwürdig, übertrieben dargestellt erscheinen mag, aber diversen Quellen zufolge tatsächlich so oder zumindest ähnlich passierte. Dabei gehen die offiziellen Zahlen über die von Doss geretteten Kameraden ziemlich auseinander. Doss selbst gab 50 an, andere wiederum 100. Die Wahrheit dürfte wohl irgendwo in der Mitte liegen. Interessant macht die  Hauptfigur des Desmond Doss auch deshalb, weil er eben nicht den üblichen Charakter eines Kriegsfilmes darstellt, er ist recht hager, ruhig, bringt keine Sprüche und ist jemand der fest seinen religiös geprägten Überzeugungen folgt.

Und bei wem spätestens jetzt die Alarmglocke schrillen bei einem Kriegsfilm von Mel Gibson und einem religiösen Hauptcharakter den kann ich beruhigen, denn Hacksaw Ridge ist weder übertrieben religiös noch trieft der Film sonderlich von Pathos oder Patriotismus! Doss war nun einmal eine religiöse Person und seine religiösen Überzeugungen eine ganz zentrale Motivation für Doss. Dies kann der Film unmöglich verschweigen ohne dabei selbst total unglaubwürdig zu werden. Gibson schafft es aber eine ausreichende Balance zu finden und zwar so dass man sich auch als nicht religiöser Mensch nicht wirklich davon gestört fühlt und trotzdem die Beweggründe der Person nachvollziehen kann. Dafür war auch die Szene zu beginn sehr wichtig als Desmond als kleiner Junge während einer Rauferei mit seinem Bruder zu einem Ziegelstein griff und diesen in einer Affekthandlung beinahe tötete. Der Film hat es in meinen Augen recht gut geschafft die Motivation der einzelnen Charaktere dem Publikum gut zu vermitteln. Sei es bei Doss, seinem vom Krieg traumatisierten Vater oder etwa warum Doss und seine Kameraden von Sgt. Howell so hart ran genommen werden.

Das Martyrium, welches Doss während seiner Ausbildung durchlebt, erinnert ein wenig an Full Metal Jacket und diesbezüglich muss man Vince Vaughn hervorheben, den man ansonsten nur aus Komödien kennt. Der als Sgt. Howell aber auch zeigt das er auch ernstere Rollen beherrscht. Auch der restliche Cast ist wirklich ausgezeichnet. Andrew Garfield wurde nicht umsonst mit einer Nominierung als bester Schauspieler bedacht, daneben weiß auch Teresa Palmer mit ihrem charmanten Schauspiel als Dorothy zu gefallen und es fällt wirklich schwer sich als Zuschauer nicht ebenfalls in sie zu verlieben. Aber alle werden von der schauspielerischen Leistung von Hugo Weaving in den Schatten gestellt, der als Vater von Desmond, Tom Doss, eine äußerst starke schauspielerische Leistung abliefert. Er spielt die Rolle des traumatisierten Kriegsveteranen und gebrochenen Vaters mit einer derartigen Intensität, die wirklich beeindruckend ist und lässt dann trotz aller Strenge und Rohheit auch so etwas wie Menschlichkeit und Liebe in seinem Charakter hervorblitzen. Eine ganz bemerkenswerte Leistung, die einen wirklich nahe geht! 



Fazit:
Mel Gibson gibt ein bemerkenswertes Comeback auf dem Regiestuhl. Hacksaw Ridge ist ein intensives, handwerklich ausgezeichnet umgesetztes Kriegsspektakel beruhend auf einer außergewöhnlich wahren Geschichte.


Bewertung:  8/10

Der Film erscheint am 07.06.2017 auf Blu-Ray und DVD und es wird auch hierzu wieder ein Gewinnspiel auf meinem Blog geben! Wenn ihr mir einen Kommentar hinterlassen möchtet, dann macht das doch bitte. Egal ob Anregungen, Kritik oder einfach ein paar nette Worte :-)

Hacksaw Ridge (Blu-Ray)
Hacksaw Ridge (DVD)


Sonntag, 14. Mai 2017

Rogue One: A Star Wars Story


Originaltitel: Rogue One - A Star Wars Story
Land/Jahr:  USA 2016
Regie: Gareth Edwards
Cast: Felicity Jones (Jyn Erson), Diego Luna (Cassian Andor), Alan Tudyk (K-2SO), Ben Mendelsohn (Orson Krennic), Riz Ahmed (Bodhi Rook), Forest Whitaker (Saw Gerrera), Donnie Yen (Chirrut Imwe), Genevieve O'Reilly (Mon Mothma)


Krieg! Während das fragile Bündnis der Rebellen immer weiter in die Defensive gerät, arbeitet das Imperium weiter an der Fertigstellung der ultimativen Vernichtungswaffe: Den Todesstern. Der vor dem Imperium geflohene Ingenieur, Galen Erso, sucht währenddessen zusammen mit seiner Frau Lyra und seiner Tochter Jyn Zuflucht auf dem Planeten Lah'mu. Dort wird er jedoch bald von Orson Krennic, dem zuständigen Direktor für fortgeschrittene Waffenentwicklung des Imperiums, gestellt, der Galen dazu drängt den Todesstern fertigzustellen. Bei der Konfrontation mit Krennic und den imperialen Truppen stirbt Lyra vor den Augen ihrer Tochter. Jyn entkommt im letzten Moment den imperialen Truppen dank eines Geheimversteckes, aus dem sie vom Guerrillakämpfer, Saw Gerrera, gerettet wird, der sich fortan ihrer annimmt.

Fünfzehn Jahre später. Ein Offizier des Rebellen Geheimdienstes, Cassian Andor, erfährt von einem Informanten das angeblich ein imperialer Pilot desertiert sei und vom Bau einer gewaltigen Waffe, eines "Planetenkillers", berichte. Der Pilot befinde sich auf Jedah und suche nun dort nach Saw Gerrera. 

Jyn, die ihre wahre Identität verbirgt, wird indessen in einem imperialen Arbeitslager  auf Wobani aufgrund diverser Vergehen festgehalten. Während eines Gefangenentransport gelingt es einer kleinen Rebelleneinheit unter der Führung von Cassian Andor und seines Droiden K-2SO Jyn zu befreien.

Auf Yavin 4 trifft Jyn auf Mon Mothma und andere Rebellenführer, die sie zu ihrem Vater und Saw Gerrera befragen, der mittlerweile mit der Allianz gebrochen habe und als Extremist auf Jedah für Ärger sorge. Für die Rebellen hat die Auffindung von Gerrera und des Piloten höchste Priorität und schlagen Jyn einen Deal vor: Finde Saw Gerrera und du bist frei...



Rogue One ist das erste Spin-off aus dem Star Wars Universum und für mich nach der alten Trilogie der mit Abstand beste Star Wars Film bisher. Er liegt für mich auch deutlich über Episode 7 zu der ich demnächst noch einmal eine eigene Review schreiben werde. Dabei waren die Voraussetzungen für Rogue One denkbar ungünstig und der Erfolg (weltweit spielte er bis dato mehr als 1 Milliarde Dollar ein) alles andere als absehbar, schließlich kann er Film mit keinen bekannten Charakteren aufwarten und auch das Ende war bekannt und vorgegeben. Auch meine Skepsis war zunächst groß, schließlich war ich von Episode 7, der ein Jahr zuvor lief, ziemlich enttäuscht und wusste zunächst nicht so recht was ich mir vom Spin Off erwarten sollte.

An anderer Stelle wurde Rogue One damit beschrieben das es den "Krieg" in Krieg der Sterne packt und das trifft es meiner Meinung nach ziemlich gut. Rogue One ist nämlich in erster Linie ein düsterer Kriegsfilm, in dem etwa die Macht oder die Jedi nur eine Randnotiz sind. Trotzdem funktioniert der Film ausgezeichnet und das hat er in meinen Augen nicht zuletzt einem Drehbuch zu verdanken das - obwohl man das Ende bereits kennt - wesentlich mutiger ist als etwa jenes von Episode 7. Das trifft vor allem auf das Ende zu. Zwar hat der Film in der ersten Hälfte die ein oder andere kleinere Länge zu verschmerzen und auch die Charaktere bleiben insgesamt etwas zu blass, so dass sich das emotionale Investment des Zuschauers während des dramatischen Finales in Grenzen hält, doch weiß Rogue One vor allem mit einer fulminanten zweiten Hälfte zu überzeugen. Die nimmt nämlich spätestens mit dem Angriff auf Eadu rasant an Fahrt auf und beschert uns nicht nur eine der großartigsten Scifi-Schlachten aller Zeiten, sondern auch eine der mit Abstand denkwürdigsten Szenen der Star Wars Filme und für mich bereits jetzt ein "Klassiker" an die man sich noch in Jahrzehnten erinnern wird. 



Kurz nachdem es Cassian und Jyn gelingt die Pläne des Todesstern durch den zerstörten Schutzschild über Scarif an die Rebellen zu übermitteln, sichert die dortige Besatzung die Pläne auf einer Diskette und während die Rebellen in Erwartung eines Sturmangriffes imperialer Truppen in die Dunkelheit eines Ganges blicken und der Score für einen Augenblick nahezu verstummt, hört man in der Dunkelheit Darth Vaders Atemzüge bevor er dann plötzlich im roten Licht seines Lichtschwertes auftaucht und in dem Moment physisch extrem präsent auf der Jagd nach den Plänen alles niederschnetztelt, was sich ihm in den Weg stellt. Das ist eine unglaublich gut inszenierte Szene, die mir auch heute noch regelrecht eine Gänsehaut beschert. 

Diese Szene geht nahtlos in eine andere Szene über, die mir ausgesprochen gut gefallen hat obwohl sie nicht ganz unumstritten ist. Nämlich als es den Rebellen gelingt die Diskette vor Vader in Sicherheit zu bringen und sich die die Tantive IV vom Flagschiff abkapselt, überbringt Captain Antilles die Pläne einer jungen Leia Organa, die auf die Frage von Antilles, was die überbrachte Übertragung denn zu bedeuten hätte mit "Hoffnung" antwortet und damit den Film beendet und den Übergang zu Episode IV markiert. 

Ich fand die Szene unglaublich gut, nicht ganz unumstritten ist die Szene weil sich einige an der komplett digitalisierten Carrie Fisher stoßen. Auch Grand Moff Tarkin, dessen Darsteller Peter Cushing bereits 1994 verstarb, ist in Rogue One als komplett digitalisierte Charakter zu sehen. Technisch wurde das jedoch dermaßen gut umgesetzt das es mir im Kino im Fall von Tarkin zunächst überhaupt nicht aufgefallen ist das es sich hierbei um einen CGI Charakter handelt. Ich kann verstehen das dies dem ein oder anderen nicht so gefällt, persönlich stört es mich überhaupt nicht, finde es nach wie vor sehr beeindruckend was diesbezüglich technisch mittlerweile möglich ist. Erst als ich mir den Film vor ein paar Tagen auf Blu-Ray noch einmal angesehen habe und im Wissen das es sich eben um CGI handelt kann man dies in den Gesichtszügen deutlicher erkennen. Aber das ist schon ein unglaublich hohes technisches Niveau mittlerweile.



Darüber hinaus hat das Star Wars Spin-Off noch eine Viezahl kleinerer Szene zu bieten, die dem Zuschauer auch noch für einige Zeit in Erinnerung bleiben. Ich denke dabei etwa an die Szene als Jedah zerstört wurde oder als der Sternenzerstörer in das Schutzschild von Scarif kracht usw.

Rogue One ist insgesamt ein sehr runder Film geworden, der im Gegensatz zu "Das Erwachen der Macht" nicht so sehr auf Fanservice mit dem Holzhammer setzt. Die Referenzen und Kurzauftritte einiger bekannter Charaktere wie etwa Bail Organa sind dezent aber gut in die Story integriert. Hier hat man ein richtiges Maß gefunden, das ich bei Episode 7 etwas vermisse.

Der Score von Rogue One kommt nicht wie bei Star Wars sonst üblich von John Williams, sondern diesmal von Michael Giacchino. Dieser ersetzte Alexandre Desplat und hatte gerade einmal vier Wochen Zeit für die musikalische Untermalung. Und das drei Monate vor der Premiere! Der Qualität des Score hat dies jedoch erstaunlicherweise nicht geschadet, auch wenn aus dem Score keine besonderen Stücke hervorstechen, passt er sich doch harmonisch den Szenen an und vereint neue und ein paar bekanntere Melodien zu einem guten Werk. Hervorheben möchte ich dabei vor allem "Jyn Erso & Hope Suite". Wer eimal reinhören möchte:


Auch wenn einige Charaktere leider etwas blass bleiben bzw. ich gerne mehr über sie und ihre Beweggründe erfahren hätte, so liegt das in erster Linie am Drehbuch das bezüglich Charakterzeichnung kleinere Schwächen aufweist und interessanten Charakteren wie die von Chirrut Inwe oder Base Malbus zu wenig Platz bietet. Die Cast ist trotzdem sehr gut. Allen voran Ben Mendelsohn gibt einen äußerst guten und spannenden Antagonisten ab, er spielt den kühlen, ehrgeizigen und nach Macht strebenden Orson Krennic mit einer starken Präsenz und seine Szenen mit dem CGI-Tarkin sind immer wieder äußerst interessant. 

Fazit:

Rogue One ist ein bild gewaltiger Scifi-Kriegsfilm der vor allem für die kommenden Spin-Offs die Latte ziemlich hoch legt, aber auch darauf hoffen lässt das es nach wie vor möglich ist dem Star Wars Universum überzeugende und gute Filme zu entlocken.

Rogue One ist seit 04.05.2017 erhältlich auf Blu-Ray und DVD! Wer ihn also im Kino verpasst hat, sollte dies unbedingt nachholen!


Bewertung:  8/10