Sonntag, 11. Juni 2017

Allende en su laberinto


Originaltitel: Allende en su laberinto
Land/Jahr: Chile 2014
Dauer: 90 Minuten
Regie: Miguel Littin
Cast: Daniel Munoz (Salvador Allende), Aline Küppenheim (Payita), 


In den Morgenstunden des 13. September 1973 wird der chilenische Präsident, Salavdor Allende, von seinen engsten Mitarbeitern mit einer besorgniserregenden Nachricht geweckt: Die chilenische Marine revoltiert und fordert den umgehenden Rücktritt des Präsidenten! Während die Marine  bereits auf dem Weg von ihrem Stützpunkt in Valparaiso nach Santiago de Chile ist, begibt sich Allende zum Präsidentschaftspalast La Moneda. Dort versichert er sich der Loyalität der Polizei, doch scheitern sämtliche Kontaktversuche zu den Befehlshabern von Armee und Luftwaffe. Die Krise verschärft sich als erste Informationen durchsickern das sich drei der vier chilenischen Teilstreitkräfte - Marine, Armee und Luftwaffe - zu einer Militärjunta unter der Führung des Oberbefehlshabers des Heeres, Augusto Pinochet, zusammengeschlossen haben und mit einer Bombardierung von La Moneda drohen sofern Allende nicht mit sofortiger Wirkung zurücktritt. Doch für Allende, der auf die Unterstützung aus dem Volk baut, kommt dies nicht in Frage...




Der Film basiert auf wahren Ereignissen und schildert die letzten sieben Stunden die der ehemalige chilenische Präsident, Salvador Allende, und seine engsten Vertrauten während des Putsches chilenischer Militärs im Präsidentschaftspalast La Moneda durchlebten. Es war der Tag an dem die Demokratie in Chile endete und gleichzeitig der Beginn der Diktatur von Augusto Pinochet, der erst kurze Zeit vorher den Oberbefehl über das Heer von Allende übertragen bekommen hat. 

Leider stößt "Allende" als Film an sich zu schnell an seine inszenatorischen und dramaturgischen Grenzen und dürfte gerade deshalb für eine breite Masse trotz einer Laufzeit von gerade einmal 90 Minuten zu langatmig und langweilig sein. Wer sich jedoch für politische und geschichtliche Filme begeistert der ist bei Miguel Littins Film goldrichtig. Obwohl der Film hauptsächlich die letzten Stunden während des Putsches thematisiert, werden immer wieder historische Details und Fakten gekonnt und dezent in die Geschichte eingebaut und so der Rahmen für das eigentliche Geschehen gesetzt und Hintergründe näher erläutert ohne das es hierfür eigener Szenen bedarf. Man erfährt so etwa das die Amerikaner beim Putsch maßgeblich im Hintergrund mitgewirkt haben, ohne das dies aber etwa in Antiamerikanismus ausartet. Der Film macht dies sehr dezent, ohne Holzhammer und wirkt dabei fast schon dokumentarisch.

Die Kampfszenen bei der Erstürmung des Präsidentschaftspalast beschränken sich auf wenige Szenen, der Film setzt mehr auf Dialoge als auf großartige Actionszenen. Die Dialogszenen sind dafür recht gut gelungen und nehmen dabei fast schon philosophische Züge an.

Getragen wird "Allende" vor allem von der schauspielerischen Leistung von Daniel Munoz, der in seiner Rolle sehr überzeugend ist. Die Nebendarsteller hingegen bleiben hier mit Ausnahme von Aline Küppenheim eher blass. 

Auch das 70er Jahre Setting hat man in Sachen Makeup, Requisiten, Kostüme und Optik gut vermittelt. Der Film spielt dabei hauptsächlich im Präsidentschaftspalast "Palacio de La Moneda" und im Originalschauplatz wurde tatsächlich auch gedreht. Leider können weder die Special Effects noch die Filmmusik da mithalten. Gerade die Special Effects - obwohl nur wenige davon im Film sind - fallen äußerst negativ ins Auge und erinnern mehr an diverse schlechte C-Movies aus dem Tele5 Abendprogramm. Auch der Schnitt war stellenweise etwas wirr und unglücklich gewählt. 



Salvador Allende war mir von Namen her ein Begriff und auch über Augusto Pinochet und seine Diktatur wusste ich ein wenig, da ich Ende der 90er Jahre seine Inhaftierung in Großbritannien über die Medien mitbekommen habe und ich mich in dieser Zeit begann intensiv mit Politik und Geschichte auseinanderzusetzen. Aber so wirklich bekannt und weit verbreitet ist lateinamerikanische Geschichte in Mitteleuropa nicht wirklich. Und obwohl der Film natürlich einige Schwächen aufweist, so hat er es dennoch geschafft mein Interesse an dem Thema zu wecken. Dies führte letztendlich dazu das ich mich nähere damit beschäftigte und einige Stunden recherchierte. Ein Film, der es schafft das man sich anschließend näher mit dem Thema auseinandersetzt, ist für mich daher immer ein Gewinn. Vor allem weil man dadurch immer wieder auf neue und andere interessante Aspekte stößt. Im Zuge der Recherchen zu Augusto Pinochet bin ich so etwa auf die Geschichte der sogenannten "Desparecidos" gestoßen. Menschen, die von staatlichen Sicherheitskräften entführt, gefoltert und oftmals ermordet wurden. Dies war vor allem in den rechten Militärdiktaturen in lateinamerikanischen Ländern zwischen 1960 und 1990 eine gängige Praxis. So etwa auch unter dem Pinochet-Regime in Chile. Empfehlenswert ist hier auch der "Colonia Dignidad" von Florian Gallenberger mit Emma Watson und Daniel Brühl. Eine unvorstellbare Grausamkeit, da vor allem die Angehörigen der Opfer (Oppositionelle, Kritiker, Journalisten etc.) über das Verschwinden nichts erfuhren und so immer in einem "Schwebezustand" lebten was mit ihren Angehörigen nun passierte. Das sich dann ausgerechnet die USA und der Heilige Stuhl für eine Freilassung von Pinochet stark machten, lässt einen dann mitunter fassungslos zurück...

Doch genug der Politik, allein die Tatsache das der Film mich dazu bewegte mich für das Thema zu interessieren und nachzulesen, hat mit einmal mehr gezeigt das gerade das Medium Film auf unterschiedlichen Ebenen für mich funktioniert.

Wer sich also für Geschichte und Politik interessiert und dem Salvador Allende oder Augusto Pinochet vielleicht noch nicht so bekannt sind, dem kann ich "Allende en su laberinto" durchaus empfehlen. Den Film gibt's aktuell auf Netflix in der Kategorie "International" zu sehen. Allerdings nur auf Spanisch mit deutschen oder englischen Untertitel. Davon sollte man sich jedoch nicht abschrecken lassen!

Bewertung: 6/10 



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