Montag, 26. Juni 2017

Die Frau des Zoodirektors


Originaltitel: The Zookeeper's Wife
Land/Jahr: USA 2017
Dauer: 127 Minuten
Regie: Niki Caro
Cast: Jessica Chastain (Antonia Zabinski), Johan Heldenbergh (Jan Zabinski), Daniel Brühl (Lutz Heck), Michael McElhatton (Jerzyk)

Polen 1939. Dr. Jan Zabinski leitet mit dem Warschauer Zoo einen der renommiertesten Zoos der 30er Jahre. An seiner Seite kümmert sich vor allem seine Frau Antonia, die eine bemerkenswerte Sympathie und Bindung zu den Tieren besitzt, sowie sein Sohn Ryszard und Tierpfleger Jerzyk liebevoll um die zahlreichen Tiere. Während eines gesellschaftlichen Empfanges in der Villa der Zabinskis, die sich ebenfalls auf dem Zoogelände befindet, kommt es indessen zu einem Zwischenfall bei der Geburt eines Elefantenkalbes. Antonia gelingt es das Leben des Kalbes zu retten und zieht damit die Aufmerksamkeit des deutschen Zoologen Dr. Lutz Heck auf sich, der von der mutigen Frau des Zoodirektors sichtlich angetan ist. 

Das idyllische Leben Leben der Zabinskis kommt jedoch mit dem Einmarsch deutscher Truppen in Polen am 01. September 1939 zu einem abrupten Ende.  Bei der Bombardierung Warschaus wird auch der Zoo schwer beschädigt und zahlreiche Tiere getötet. Der Versuch der Zabinskis Warschau zu verlassen scheitert und auch die polnischen Truppen müssen sich rasch der deutschen Übermacht beugen. Kurz danach wird der Warschauer Zoo von deutschen Truppen besetzt. Dr. Heck teilt Antonia mit, dass der Zoo offiziell geschlossen wird und die noch verbliebenen Tiere für "Kriegszwecke" liquidiert werden sollen. Er schlägt ihr vor die wertvollsten Exemplare als Leihgabe vorübergehend im Berliner Zoo unterzubringen und nach Kriegsende wieder zu retournieren. Antonia willigt schließlich ein und muss schon bald erfahren, dass die Motive von Dr. Heck nicht so nobel sind wie er vorgibt.

Währenddessen verschärft sich die Situation in Warschau gerade für die jüdische Bevölkerung zunehmend, die immer wieder das Ziel von Übergriffen und Repressionen werden. Noch bevor die Juden in ein eigenes Ghetto gepfercht werden, suchen zwei jüdische Freunde der Zabinski Zuflucht im Zoo und Antonia und Jan werden vor eine schwierige Entscheidung gestellt...



Der Film basiert auf dem gleichnamigen Roman von Diane Ackerman, welcher wiederum auf den Tagebüchern von Antonina Zabinska beruht. "Die Frau des Zoodirektors" ist dabei ein solides inszeniertes Holocaust-Drama, welches weitgehend auf explizite Szenen verzichtet und es dabei dennoch schafft die Grauen und Schrecken der damaligen Zeit vor allem in zwei einfachen Szenen zu verpacken und dem Zuschauer einen kleinen Schauer über den Rücken zu jagen. Diese zwei Szenen kommen wie der gesamte Filme ohne große Überdramatisierung aus und sind unscheinbar in Szene gesetzt, verfehlen aber trotzdem ihre Wirkung nicht. Die eine zeigt ein junges, jüdisches Mädchen das Opfer einer Vergewaltigung wird und anschließend psychisch und physisch schwer darunter zu leiden hat. Die zweite Szene, die besonders unter die Haut geht, zeigt wie Dr. Zabinski versucht Dr. Korczak zu retten, der die Kinder aus dem Ghetto auf dem Weg in ein Vernichtungslager begleitet. Zabinski hilft dabei im Wissen wohin dieser Zug führt und ohne das er irgendwas dagegen unternehmen kann einem Kind nach dem anderen in den Zugwaggon. Zwei sehr schlichte Szenen die aber emotional ihre Wirkung beim Zuschauer nicht verfehlen und in Erinnerung bleiben.

Es gibt mittlerweile unzählige Dramen die den Holocaust thematisieren und storytechnisch erzählt uns auch "Die Frau des Zoodirektors" nicht wirklich neues oder belichtet neue Aspekte zu diesem Thema. Es fällt gleichzeitig aber auch schwer dies dem Film vorzuwerfen. Schließlich ist es keine fiktionale Geschichte, sondern beruht auf wahren Begebenheiten. Und diese und ähnliche Geschichten haben sich nun einmal zu tausenden in der damaligen Zeit zugetragen. Nun mag der ein oder andere angesichts eines weiteren Films zum Thema Holocaust dankend mit der Begründung abwinken, dass wenn man einen kennt mehr oder weniger alle kennt und man sich doch bitte endlich mal anderen Themen widmen sollte. Dennoch ist es wichtig das dieses Thema nicht einfach in Vergessenheit gerät und sich die Filmindustrie auch weiterhin um eine Aufarbeitung dieser Geschichten bemüht, denn die Botschaft dieser Filme ist heute wohl wichtiger denn je. Sie zeigen uns wohin blinder Hass und Vorurteile führen und die zentrale Botschaft des Mitgefühls sowohl Menschen als auch Tieren gegenüber die uns "Die Frau des Zoodirektors" vermittelt ist nicht weniger essentiell in einer erkaltenden Welt. 




"Du kannst nie sagen wer deine Feinde sind, oder wem du vertrauen kannst. Vielleicht liebe ich Tiere deshalb so sehr. Du blickst ihnen in die Augen und du weißt genau was in ihren Herzen ist."


Äußerst kraftvoll wird diese Botschaft vor allem durch die schauspielerischen Leistungen von Jessica Chastain und Johan Heldenbergh transportiert. Chastain spielt die Antonina Zabinska mit einer enormen Fülle an Empathie und Güte und die Art und Weise wie sie mit den Annäherungsversuchen von Lutz Heck umgeht, ohne ihn zurückzuweisen und damit alles zu gefährden ist beispielhaft. Johan Heldenberghs Charakter des Dr. Zabinski ist dabei wesentlich schwerer zugänglich, umso stärker wird sein Charakter allerdings von den Geschehnissen im Ghetto geprägt und Heldenbergh macht seine Sache sehr gut den Schmerz und die Verzweiflung überzeugend zum Ausdruck zu bringen. Daniel Brühl als Lutz Heck ist ebenfalls positiv hervorzuheben und gerade seine Szenen mit Jessica Chastain und seine Versuche Antonina nähere zu kommen und für sich zu gewinnen sind als Zuschauer unbequem anzusehen.

Einige Mängel hat der Film dennoch aufzuweisen. So sind gerade im letzten Drittel des Films einige Szenen zu sprunghaft miteinander verknüpft so das etwa nicht klar wird wie und warum etwa Jan sich plötzlich dem bewaffneten Widerstand anschließt. Andere wiederum werden etwas halbherzig zu Ende geführt, nicht ausführlich genug behandelt oder werden schlichtweg gar nicht thematisiert wie etwa wie sich die Zabinski die Verpflegung der versteckten Juden haben leisten können.  Auch hätte der ein oder anderen Szene etwas mehr Spannung und Dramatik ganz gut getan ohne den dramaturgischen Bogen gleich zu überspannen. So wirkt der Film stellenweise etwas zu konservativ und nüchtern. 




Trotz der ein oder anderen erzählerischen Schwäche ist "Die Frau des Zoodirektors" ein gelungener Beitrag zum Thema Holocaust mit einer ausgezeichneten Cast und hohem Produktionswert, der gleichermaßen ein Stück polnischer Geschichte und die Story von zwei couragierten Menschen einer breiten Öffentlichkeit zugänglich macht.


Bewertung:  7/10



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