Samstag, 17. Juni 2017

Wonder Woman





Originaltitel: Wonder Woman
Land/Jahr: USA 2017
Dauer: 141 Minuten

Regie: Patty Jenkins
Cast: Gal Gadot (Diana), Chris Pine (Steve Trevor), Connie Nielsen (Hippolyta), Robin Wright (Antiope), Danny Huston (Ludendorff), David Thewlis (Sir Patrick), Ewen Bremner (Charlie), Said Taghmaoui (Sameer), Elena Anaya (Dr. Maru), Eugene Brave Rock (The Chief)



Einst, als die Götter über die Erde herrschten, erschuf der König der Götter, Zeus, Wesen nach seinem Ebenbild über welche die Götter herrschen sollten. Er nannte seine Schöpfung "Mensch" und die Menschheit war gerecht, friedlich und stark. Doch Zeus Sohn, Ares, gepackt von Eifersucht und Neid auf seines Vaters Schöpfung, strebte danach die Menschheit zu vernichten. Er verdarb deren Herzen durch Missgunst und Argwohn und brachte sie gegeneinander auf. Auf der einst friedlichen Erde herrschte Krieg. Also erschufen die Götter die Amazonen um der Erde wieder Frieden und den Menschen Liebe zu bringen. Ares, der Gott des Krieges, tötete einen Gott nach dem anderen bis nur noch Zeus übrig blieb. Diesem gelang es mit einem letzten, mächtigen Schlag Ares zum Rückzug zu bewegen. Zeus wusste das Ares eines Tages zurückkehren würde um der Menschheit einen endlosen Krieg zu bringen und hinterließ den Amazonen eine mächtige Waffe, die selbst Götter zu töten vermag. Um die Amazonen vor den Augen Ares zu verbergen, erschuf der König der Götter eine kleine, isolierte Insel namens Themyskira. 

Als eines Tages überraschend ein Flugzeug vor der Küste von Themyskira abstürzt, rettet Diana, die Tochter der Amazonenkönigin Hippolyta, dem amerikanischen Piloten Steve Trevor das Leben. Dieser hat als Spion wichtige Informationen bei sich und befindet sich auf der Flucht vor der kaiserlich, deutschen Marine, die kurz darauf ebenfalls auf Themyskira eintrifft. Es kommt zur Schlacht zwischen den Amazonen und den kaiserlichen Truppen, die trotz vermeintlicher technischer Überlegenheit gegen die mit Pfeil und Bogen ausgestatteten aber extrem kampferprobten und geschickten Amazonen das Nachsehen haben. 

Captain Trevor wird von den Amazonen darauf hin gefangen genommen und verhört. Unter Zuhilfenahme des "Lasso der Wahrheit" gesteht Trevor, dass er als Spion für die Alliierten arbeitet und wichtige Informationen bei sich trägt, wonach die spanische Chemikerin Dr. Isabel Maru für die Deutschen ein tödliches Gas entwickle, dem selbst Atemschutzmasken nichts anhaben können. Außerdem berichtet er von einem tödlichen Krieg dem bereits mehrere Millionen Menschen zum Opfer gefallen sind und in dem zahlreiche Länder verstrickt seien. Diana erkennt darin das Werk von Ares und entschließt sich mit Trevor in den Kampf zu ziehen, doch ihre Mutter ist strikt dagegen.

Doch Dianas Entschluss steht fest und so begibt sie sich zusammen mit Trevor auf den Weg nach London in eine für sie völlig unbekannte Welt, die dabei ist komplett im Kriegschaos zu versinken. In London angekommen übergibt Captain Trevor Dr. Mabus Notizen dem Kriegsrat, der gerade dabei ist mit den Deutschen einen Waffenstillstand zu verhandeln. Diana entschlüsselt Mabus Tagesbuch und enthüllt das der deutsche General Ludendorff das Gas an der Westfront zum Einsatz bringen möchte um das Kriegsglück doch noch zu Gunsten des deutschen Kaiserreiches zu wenden. Die Mitglieder des Supreme War Council sind jedoch strikt gegen eine Einmischung so kurz vor Abschluss der Gespräche über einen möglichen Waffenstillstand und so begeben sich Diana und Captain Trevor entgegen der Bitte des alliierten Kriegsrates und mit geheimer finanzieller Unterstützung von Sir Patrick Morgan an die Westfront vom Dr. Maru und General Ludendorff aufzuhalten...




In Sachen Comicverfilmungen kann man mitunter schon einmal den Überblick verlieren. Es vergeht kein Jahr indem nicht gleich mehrere Verfilmungen in die Kinos kommen oder mittlerweile auch als Serie den Weg ins heimische "Patschenkino" finden. Die Superheldenfilme sind mittlerweile fixer Bestandteil des jährlichen Kinokalenders und haben sich in den letzten Jahren dank erfolgreicher Blockbuster wie den Avengers, Deadpool, X-Men oder auch Nolans "Dark Knight-Trilogie" zu einem riesigen Markt entwickelt. Gerade Christopher Nolan zeigte das Comics über ein enormes Potential verfügen und dabei kreative, anspruchsvolle Umsetzungen und wirtschaftlicher Erfolg kein Widerspruch sein müssen. Dominiert wird der Markt von Marvel mit seinem "Marvel Cinematic Universe" dem u.a. die Avengers und Guardians of the Galaxy angehören. Und während die Marvel Verfilmungen äußert erfolgreich laufen und das "MCU" sich fest etablieren konnte, tut sich DC mit seinem "DC Extented Universe" sichtlich schwer. 

Nun kommt mit "Wonder Woman" der nächste Versuch Marvel die Vormachtstellung streitig zu machen und dies ausgerechnet mit einer weiblichen Protagonistin. Und das noch dazu unter denkbar ungünstigen Voraussetzungen. Denn die letzten Verfilmungen von weiblichen Superhelden wie Elektra 2005 mit Jennifer Garner oder Catwoman 2004 mit Haley Berry sind nicht nur gnadenlos an den Kinokassen gescheitert sondern haben auch noch zahlreiche Klischees bestätigt, wonach Superheldinnen eben keine wirklich ernst zu nehmenden Charaktere sind und lediglich als attraktiver Blickfang in kurzen Kostümen gut sind. Ein neuerlicher Flop schien also auch mit "Wonder Woman" sehr wahrscheinlich vor allem weil sich in den letzten Jahren auch ein gewisser Sättiungseffekt in Sachen Comicverfilmungen eingestellt hat. Mein Interesse an "Wonder Woman" hielt sich bis dahin also in Grenzen. Doch dann kam der erste Trailer und sowohl visuell als auch das Setting des ersten Weltkrieges haben mich dann doch dazu bewogen mir den Film im Kino anzusehen.

Und man bereut den Kinobesuch keineswegs, denn "Wonder Woman" ist vor allem visuell eine der mit Abstand besten Comicverfilmungen der letzten Jahre und in Sachen Inszenierung nicht weniger beeindruckend. Ein Film den man sich unbedingt im Kino auf der großen Leinwand ansehen sollte. Der erste Akt auf Themyskira ist dabei sehr farbenfroh und naturverbunden, die Farbgebung wechselt mit der Ankunft von Diana und Steve in London in deutlich nüchterne, kühlere und dreckigere Farben und schafft damit einen atmosphärischen Rahmen für die Handlungen an der Westfront des ersten Weltkrieges. Themyskira ist ziemlich beeindruckend und man würde dort am liebsten Urlaub machen, was nicht nur an den dort lebenden Amazonen liegt, sondern vor allem an der wunderschönen Architektur und den tollen Stränden. Ein wahres Paradies.



Wären da nicht die Eindringlinge des deutschen Kaiserreiches, die den traumhaften Strand auf Themyskira in ein Schlachtfeld verwandeln und ein Actionfeuerwerk entfachen. Und Action gibt’s naturgemäß in einem Superheldenfilm reichlich und ist in "Wonder Woman" auch ziemlich sehenswert ins Szene gesetzt. Wenn etwa die Amazonen mit Pfeil und Bogen ihre technische Unterlegenheit gegenüber den kaiserlichen Truppen mit ihren modernen, industriellen Waffen durch ihre übermenschliche Kampfkunst und Athletik kompensieren oder Diana aus einem Schützengraben stürmt um sich in Zeitlupe allein mit ihrem Schild dem Kugelhagel des Feindes entgegenstellt. 

Und von diesen "Actionzeitlupen" gibt’s im Film einige zu sehen und erinnern dabei stark an Zack Snyders "300". Wenig überraschend, denn schließlich hat Snyder auch am Drehbuch von "Wonder Woman" mitgewirkt. Die Actionsequenzen sind dabei bis ins kleinste Detail durch choreographiert und verteilen sich gut über die gesamte Laufzeit des Film sodass keine Langeweile aufkommt. Die Action wirkt dabei gut ausbalanciert und selbst wenn eine Szene mal Gefahr läuft ein wenig "over the top" zu geraten bekommt Regisseurin Patty Jenkins dann doch noch die Kurve. Wobei übertriebene Actionszenen in einem Superheldenfilm natürlich immer bis zu einem gewissen Maße vorhanden sind und in der Natur der Sache begründet sind. "Wonder Woman" hat hier aber ein ganz gutes Gleichgewicht gefunden, lediglich die Special Effects wirken bei einigen wenigen dieser Actionszenen ein wenig unrund. Davon abgesehen spielen die Special Effects aber absolut im Konzert der Großen mit und gerade Themyskira ist wie bereits erwähnt eine absolute Augenweide. 




Eine der besten Szenen des Filmes gibt es bereits zu Beginn und die wurde sowohl aus erzählerischer Sicht als auch aus technischer Sicher unglaublich gut umgesetzt. Die junge Diana bekommt von ihrer Mutter, Hippolyta, eine Nachtgeschichte vorgelesen und erzählt ihr dabei die Geschichte vom Anbeginn der Zeit als Zeus die Menschen schuf und die Götter über die Erde herrschten. Visuell dargestellt wird die Geschichte durch das Buch, welches Hippolyta in den Händen hält und die dortigen Bilder plötzlich lebendig werden und die Geschichte von Hippolyta entsprechend illustrieren. Eine tolle und atmosphärische Szene, die den Rahmen für die Handlung setzt und auch mehr über die Hintergründe erzählt. 

Storytechnisch köchelt "Wonder Woman" das gleiche Süppchen wie andere Origin-Storys und bietet hier bis auf ein etwas anderes Setting nicht viel Neues. Der erste Weltkrieg ist aber ein durchaus interessantes Setting und ist film technisch bei weitem nicht so ausgelutscht wie sein Nachfolger und Nazis als Bösewichte. Wobei Nazis als Bösewichte irgendwie immer gehen und auch bei "Wonder Woman" wieder einmal die Deutschen - diesmal das Kaiserreich - als Antagonisten herhalten müssen. Die Verknüpfung von griechischer Mythologie in einem Superheldenfilm der Anfang des 20. Jahrhunderts spielt ist dabei sehr reizvoll und durchaus gelungen. 



Gal Gadot ist als Diana bzw. Wonder Woman ein absoluter Glücksgriff und als ehemalige israelische Soldatin und Nahkampf-Ausbildnerin geradezu prädestiniert für die Rolle. Leider ist der Charakter der Diana aber etwas zu naiv geraten. Das mag zu Beginn des Filmes durchaus noch passend erscheinen, schließlich ist sie auf einer völlig abgeschotteten Insel allein unter Frauen aufgewachsen und hat von der Kultur und den Geschehnissen der Außenwelt absolut keine Ahnung. Das wird aber gerade gegen Ende des Film ein wenig störend, vor allem nachdem Diana erfahren hat welche Grausamkeiten in dieser Welt herrschen und dennoch an die absolute Gutartigkeit der Menschen glaubt. Hier hätte etwas mehr Charakterentwicklung gut getan. Etwa eine Diana die beginnt an der reinen Gutartigkeit der Menschen und ihrer Mission zu zweifeln, aber vielleicht bekommen wir diesbezüglich mehr in potentiellen Fortsetzungen zu sehen. Zudem hätte ich gerne mehr von Dr. Maru gesehen, die mit ihrer mysteriösen Maske eine äußerst interessante Figur ist, aber leider viel zu wenig Screentime hat.

Trotz der ein oder anderen kleinen Schwäche ist "Wonder Woman" ein visuell beeindruckender Blockbuster der neben Action auch viel Herz beweist und das weibliche Superhelden mehr zu bieten haben als nur ein sexy Outfit. Er ist damit nicht nur für das DC Universe ein absoluter Gewinn, sondern auch für die gesamten Comicverfilmungen!

Bewertung: 8/10

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